Predigten

„Es nahten sich Jesus aber Menschen verschiedenen Geschlechts und diverser sexueller Identitäten. Die einen aus dem Finanzsektor standen in einem besonderen Verhältnis zur Besatzungsmacht, die anderen gehörten zu Gruppen mit unangepassten Lebensweisen. Und die weiße männliche Mehrheitsgesellschaft murrte und sprach: Dieser lässt zu, dass Menschen mit unangepassten Lebensweisen sich in unsere Kreise mischen. Er isst sogar mit ihnen.“ Lukas 15, 1-8
 
 
Es führt keine Schönfärberei an der Erkenntnis vorbei: Es gibt Menschen, die es mit der Mehrheitsgesellschaft gründlich verdorben haben.

Wir hören bei Jona, dass Gott uns auffangen kann und uns schützen will. Bedrohliche Situationen können wieder näher an Gott heranführen. Das gilt auch für uns heute: Gott schenkt uns Menschen Geborgenheit, wenn es gerade einmal nicht so gut läuft, wenn wir zu verzweifeln drohen, wenn Ängste uns heimsuchen, wenn wir uns an Umstände ausgeliefert fühlen. Vielleicht in einem Gottesdienst, in einem wertschätzenden Gespräch, im Gebet im stillen Kämmerlein, in der von Gott geschaffenen Natur, also unter freiem Himmel. Im übertragenen Sinn kann Gott einen großen Fisch der Geborgenheit kommen lassen, der uns für eine bestimmte Zeit schützt und stärkt für alle kommende Zeit.

Es spricht Pfarrer Hans C. Schmidt von St. Johannis in der kleine Filialkirche "Immanuel" in Unterdürrbach. 

Zu Christen werden wir in den Nachtstunden unseres Lebens.

Zu Christen werden wir, wenn unser Selbstvertrauen am Boden liegt.
Zu Christen werden wir, wenn wir nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll. Zu Christen werden wir, wenn wir voller Selbstzweifel stecken.
Zu Christen werden wir, wenn wir uns eingestehen müssen: So geht es nicht weiter.
 
 
Wenn wir getauft worden sind, dann haben wir in diesem Ritus die Nächte, die wir erleiden werden, schon einmal durchlitten. Wir sind - symbolisch - untergegangen, in den Tod gegangen, haben die Nachtstunden des Lebens ganz zu Beginn unseres Christenlebens schon einmal vorweggenommen. Und sind wiederaufgetaucht. Sind durch Bedrohung und Angst hindurch gerettet. Die Taufe zeigt uns also an, was uns ein Leben lang immer wieder wiederfahren kann: In den Strudel des Lebens zu geraten und fürchten zu müssen, unterzugehen. Uns ganz und gar bedroht und in Frage gestellt zu wissen und hilflos zu sein. Fürchten zu müssen, am Leben zu zerschellen. Und von Gott in ein neues Leben gezogen zu werden.
 
Predigt zu Trinitatis 2021 mit Pfarrer Jürgen Reichel aus Würzburg
Es ist Gott daran gelegen, dass möglichst viele Menschen mit der Botschaft: „In Christus ist euch etwas Gutes widerfahren“ in Berührung kommen. Es ist Gott selbst, der dafür Sorge trägt, dass seine Kirche besteht – und damit meine ich jetzt nicht eine bestimmte Kirchenverfassung oder Organisation, sondern diese Bewegung, die Menschen erfasst und sie ganz sicher macht: „Ich habe einen Platz in Gottes Geschichte. In bin gut aufgehoben, wenn ich meine Hoffnung auf Christus setze.“
 
Dieser Geist aber auch!

Er verpasst den Menschen nicht den gleichen Haarschnitt, nicht dieselbe Erkenntnis, nicht denselben Glauben, nicht dieselben Gaben. Und das bedeutet: in dauernd wechselnden Bedingungen sind immer auch die richtigen da, deren Gaben genau jetzt gefragt sind.

Dies ist einer der spannendsten Momente in der Geschichte des jungen Christentums. Denn in Athen muss Paulus von jetzt auf gleich entscheiden: Kann ich mich bei Menschen verständlich machen, die noch nie etwas von Gott gehört haben – nicht vom Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, dem Gott des David und der Ruth, dem Vater Jesu Christi. Davor gespannt ist sogar noch eine ganz andere Frage: Soll ich das überhaupt tun?
 
 
Wie gewaltig diese Große Erzählung ist, ist uns oftmals gar nicht klar – weil es uns selbstverständlich erscheint, dass wir uns damit befassen: Wo komme ich her? Was kann ich glauben? Worauf setze ich meine Hoffnung? Was gibt meinem Leben Sinn? Was soll ich tun? Wie sollen wir leben? Wie wichtig ist der einzelne, wie wichtig die Gemeinschaft? Wie begegnet mir Gott? Was tut er für mich? Was kann ich für ihn tun?