"Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust."

"Hätte ich doch mehr Geduld gehabt. Hätte ich doch den Mund gehalten. Hätte ich doch nachgefragt: Es ist so wichtig, dass diese Gedanken in uns aufsteigen! Zunächst ärgern sie uns: Jetzt haben mich erst meine Eltern wieder aufgeregt, die Arbeitskollegin ist mir zum wiederholten Mal auf die Nerven gegangen, und der Nachbar wollte mich aufhalten. Und nun spüre ich auch noch diesen Stich in mir: Ich habe mich auch nicht richtig verhalten. War ungeduldig, unfreundlich, unbeherrscht, unaufmerksam. Verflixt, was soll ich damit bloß anfangen? Wir sind verunsichert.

 

Unser Predigttext fängt diese Verunsicherung auf. Hören Sie aus dem 5. Buch Mose im 30. Kapitel, die Verse 11 – 14: „ Das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust." Das, was das 5. Buch Mose behauptet, erleben wir: Wir haben einen inneren Kompass. Wir brauchen gar nicht so zu tun, als ob wir nicht wüssten, was gut ist. Zu einem reifen Erwachsenen gehört, dass wir den Anspruch an uns stellen, gute Mitmenschen zu sein. Dass wir ein Bild davon haben, wie wir sein wollen, und wie wir mit anderen umgehen. Dass wir uns darüber Rechenschaft ablegen, wie wir uns tatsächlich verhalten. Das lebt in uns. Im 5. Buchs Mose wird uns gesagt: Höre auf deine innere Stimme. „Das Gebot“ nimmt in jedem von uns eine etwas andere Gestalt an, weil wir alle vor etwas anderen Lebensaufgaben stehen. „Das Gebot“ und Ihre innere Stimme werden sich aber immer besser verstehen. Denn Sie werden erleben, das Gottes Gebot zum Leben führt. Es ist eine Lebenshilfe, keine Lebensbremse. Es stützt Sie. Es richtet Sie auf. Es richtet Sie aus." Mit Pfarrer Jürgen Reichel, Peter Völkel und Inge Wollschläger.