Der Seniorenkreis von St. Johannis besucht die Alpakas

Das Thermometer zeigt 40 ° Celsius, als wir an ihm vorüberfahren. „Das kann ja nur ein Scherz sein!“, grinst der Senior und stellt die Klimaanlage eine Stufe höher.
Sieben Senioren und die Seniorenreferentin Inge Wollschläger sind mit einem gemieteten Kleinbus auf dem Weg nach Gützingen. Sie folgen damit der Einladung von Kilian Liebenstein zu den Alpakas. Vor mehr als einem Jahr verfielen die Seniorinnen den Alpakas auf den ersten Blick (Wie - das können Sie hier nachlesen). Damals kamen sie im Hänger vor die St. Johannis Kirche gefahren. Nun geht die Fahr raus aus der heißen Stadt, dem kleinen Ort hinter Giebelstadt entgegen. Dort wohnen die @tres_alpacas, wie sie im Sozialen Netzwerk Instagram heißen.

Dabei sind es gar nicht mehr drei Alpakas, sondern mittlerweile drei - und ein viertel noch dazu. Seit einigen Wochen hält das Jungtier „Greta“ die Familie und die kleine Herde auf Trab.
So fährt also der Seniorenkreis unter der Gluthitze des Rekordsommers dem kleinen Alpaka zur Huldigung und zur Besichtigung entgegen.
Eine Tüte bestes „Müsli“ einer bekannten Müsilfirma hat eine der Seniorinnen dabei. Sie hat sich belesen und möchte ein Geschenk mitbringen.
Mit Müsli für die Tiere, einem Kaltgetränk für heiße Sommerabende für die Gastgeber -  Kilian Liebenstein und seine Gefährtin Christiane Meidl - sowie jeder Menge selbstgebackenen Kuchen geht es durch abgedroschene Felder und Sonnenblumenwiesen über Land.
In Gützingen wird der Seniorenkreis schon von Kilian Liebenstein erwartet. In seinem Hof hat er und Meidl mehrmals die Tische umgestellt, damit der Seniorenkreis ein schattiges Plätzchen für die Kaffeestunde haben würden. Auf dem Tisch steht auch ein kleines „Kuchenalpaka- Bananenbrot“: „Ich backe gerne“, erklärt Daniel, der Sohn von Christiane Meidel.

„Das ist viel zu  schade zum essen!“, erklärt die Dame mit Hut, die am nächsten sitzt und krault den Alpakakuchen zum Scherz unter dem Kinn.

Die Stimmung ist heiter und ausgelassen. Man kennt sich und bringt sich auf den neusten Stand. Wer letztes Jahr dabei war und dieses Jahr nicht mehr ist ebenso Thema wie Videos der ersten Schritten des Mini Alpakas. Das alles wird besprochen und auch die Müslifrage wird geklärt. „Da ist leider Zucker drin. Das dürfen die Tiere nicht fressen!“, erklärt Liebenstein, der sichtlich gerührt über das Geschenk ist. "Wir meinen mit Müsli etwas anderes", grinst er und holt eine Schüssel mit getrockneten Kräutern. „Das nehmen wir nachher mit. Da sind sie ganz wild drauf."
Was lecker riecht und aussieht, als könne man es sich auch auf die Pizza steuern, wird allen später förmlich aus der Hand geschleckt und gefressen werden.
Aber zuerst gibt es reichlich Kuchen, Kaffee und jede Menge Wasser. Unter den Schatten der Bäumen im Hof ist es angenehm kühl, es weht ein Lüftchen. „Hier lässt es sich aushalten!“, sind sich alle einig. 

Und dann kommt der Augenblick, auf den alle gewartet habe. Der Besuch bei den Tieren. Vorsichtig öffnet Christiane Meidl das Gatter. Scheinbar haben die Tiere den guten Geruch der Kräuter schon von weitem gerochen. Neugierig kommen sie näher und immer näher. Zwischen ihnen – dich an der Mutter namens Caramella – das Jungtier. Es sieht aus wie ein gegen den Strich gebürstetes Bambi. Großes, seliges „Ahhh“ und „Ohhh“ raunt durch die Gruppe. Im Niedlichkeitsfaktorlevel hat diese kleine flauschige Babyalpaka die volle Punktzahl von 100 Prozent.
Die Familie Liebenstein erklärt und erzählt, Hände werden ausgestreckt und von dem Futter innerhalb kürzester Zeit befreit. „Ja- verfressen sind sie!“, lacht Christiane Meidl und wehrt den zudringlichen Stupser von Mazo auf der Suche nach "mehr" ab. Im Hintergrund steht ein Kinderplanschbecken. Liebenstein erzählt, wie gerne die Tiere zum Abkühlen dort hineingehen.

Greta, die Kleinste traut sich hin und wieder vor. „Die ist noch sehr scheu, aber auch neugierig“, sagt Daniel Meidl und weist auf die Körperhaltung der Kleinen hin: Die Füße immer ein wenig auf „Flucht“ eingestellt, der Kopf mit dem langen Hals nach vorne gereckt, schaut sie sich um, was hier alles passiert.“
Manchmal fiepst sie leise. Dann dreht sich die Mutter um. Das Futter, der kleine „Snack“ aus der Schüssel für Mutter Caramella, frisst Greta noch nicht. Sie trink Muttermilch.


Fotos werden gemacht und das ist nicht einfach. Dieses Tier sind blitzschnell. Bestimmt haben die Seniorinnen und der Senioren etliche  „Nasen – und Hinterteil Fotos“. Denn neugierig wie Emilio, Mazo und Caramella  sind, kommen sie rasch auf die Kamera zu - um enttäuscht, weil es kein Futter ist, wieder abzudrehen. „Es ist wirklich schwer, sie zu fotografieren!“, weiß Daniel Meidl. „Manchmal liege ich wirklich gefühlt Stunden auf der Lauer, um ein schönes Foto machen zu können!“ Sein Erfolg lässt sich an der stetig wachsenden Anzahl an Alpakaliebhabern auf Instagram sehen. Liebevolle Bilder mit kleinen Geschichten sind fast jeden Tag dort neu zu sehen.


Viele Stunden später als gewöhnlich, endet der Seniorennachmittag. Seligkeit macht müde. Hitze erschöpft.

Glücklich  und beseelt fährt die Reisegruppe „Alpaka Liebe St. Johannis“ wieder an abgedroschenen Felder und Sonnenblumenwiesen der heißen Stadt entgegen.  Daniel Meidl schickt noch ein letztes Bild der Reisegruppe hinterher: Ein sich ausruhendes Alpaka. Mit einem versteckt -seligen Blick unter dichten Wimpern. Fast meint man, es schnarchen zu hören.

Liegendes Alpaka
Bildrechte: Daniel Meidl


Es wird nicht der letzte Besuch sein – da sind sich alle einig.

Der Seniorenkreis St Johannis bedankt sich bei Kilian Liebenstein, Christiane und Daniel Meidl für die herzliche Einladung, das freundliche Willkommen, den wunderhübschen Kaffeetisch mit allem, was dazugehört, den schönen Gesprächen und dass wir ihre Tier sehen, fühlen und liebhaben durften.