Zu Ostern 2022

 

Wohin sich ein Bachlauf später einmal wendet, können wir jetzt noch nicht wissen. Vieles bewirkt er zwar selbst – denn wir wissen: Das Wasser gestaltet. Es reißt Steinchen mit fort, formt das Ufer, vertieft sein Bett und gräbt sich immer tiefer in das Tal hinein. Wohin er sich aber später wendet, was ihn aufhält, welche Abwässer er vielleicht wird aufnehmen müssen, in welche Gewässer sein Wasser sich ergießt, wo er seine Erfüllung findet, das kann der Bach an dieser Stelle noch nicht sagen. Nicht viel anders ist das mit unserem Leben. Wir wissen heute nicht, was sich morgen in unseren Weg legt. Nichts verläuft jemals gradlinig. Ereignisse bringen uns aus der Fassung oder bauen uns auf. Was wir planen, kann sich im Großen und Ganzen einstellen, aber auch völlig scheitern. Lange in die Zukunft zu schauen, vermögen wir nicht wirklich. Und wie bei einem Bach ist es beides: Vieles bewirken wir selbst, was aus unserem Leben wird. Aber wie dem Wasser wohnt uns eine Kraft inne, die uns vorwärtstreibt, die es uns ermöglicht, uns auf Neues einzustellen, die uns dazu drängt, Hindernisse zu überwinden. Wir sind dafür gemacht, vorwärts zu schauen.